Die große Englische Kollekte:

Die Anregung ging wahrscheinlich von dem in London lebenden Johann Wilhelm Teschemacher, einem geborenen Barmer, aus. In England regierte damals Königin Anna, die Tochter Jakobs II, welche vor dem Übertritt ihres Vaters zur katholischen Kirche protestantisch erzogen war und ihrem evangelischen Glauben treu blieb. Nach dem Tode Wilhelms III. von Oranien bestieg sie 1702 den Thron und stützte ihr Regiment zunächst auf die Partei der Whigs, deren Führer, der von ihr zum Herzog ernannte Marlborough, ihr Hauptratgeber war, und den größten Einfluss auf alle ihre Entschlüsse ausübte. Veranlaßt durch die Kriegswirren des polnischen Erbfolgekrieges, in welchem sich England mit Oesterreich und den Niederlanden zur Tripelallianz zusammenschloss, stand 1706 der Herzog von Marlborough mit dem englischen Heere in den Niederlanden. Gelang es diesen mächtigen Ratgeber der Königin zu einer Fürsprache zu gewinnen, so war am Erfolg nicht zu zweifeln. So beschloss denn das Konstistorium, Pastor Gülcher zum Haag zu senden, um dort persönlich mit dem Herzog zu sprechen, das Anliegen der Oberbarmer Reformierten vorzubringen, und von ihm ein Empfehlungsschreiben an die Königin zu erlangen. Über diese vom 10.November bis 9.Dezember dauernde Reise gab Pastor Gülcher in der Sitzung des Konsistoriums vom 23.Dezember ausführlichen Bericht. Er teilte mit, “wie er durch Intercession Ihre Excelence des Herrn Generals Tops dazu gelanget, dass die Angelegenheit seiner Gemeine, dem Herzog und dessen Secretair, aufs beste empfohlen, und auch versprochen worden, dass es der Königin bei Gelegenheit solle vorgestellt, und demnach, was dieselbe zur Beisteuer verordne, an den General Tops übermachet werden.” Zu dem Zweck hatte Pastor Gülcher neben der Bittschrift einen umständlichen Bericht der Synode von dem Zustand der Gemeine und der Beschaffenheit des neu geschenkten Privilegii dem General Tops übergeben, der solches alles unter Couvert eines Recommandationsschreibens mit erstem Paquetboot zu übersenden versprochen. (In seiner Reise – Rechnung führt Pastor Gülcher auch auf 2 ½ Stüber für ein holländisch Postpapier, worauf eins und anders schreiben musste, so nach Engeland übersandt. Er trat also damals auch schon in direkte Verbindung mit England. – Die ganzen Reisekosten für die einen Monat dauernde Reise betrugen Rthlr. 20 und 47 Stüber.)

Zur Beförderung der Sache wandte man sich dann nochmals an den Kurfürsten Johann Wilhelm, um von ihm eine besondere Empfehlung der Kollekte für die Gemarker Gemeinde zu erlangen. Die Wege waren jetzt bei der Regierung in Düsseldorf so geebnet, dass der Kurfürst nicht nur dieses Empfehlungsschreiben für die Kollekte gewährte, sondern auch ein besonderes Schreiben an seinen Residenten in London gab, in welchem er denselben aufforderte, den Gemarkern, wenn sie sich bei ihm in London melden würden, in jeder Weise behülflich zu sein.

Das Kollektenpatent lautet nach dem im Kirchenarchiv befindlichen Original:

Von Gottes Gnaden Wir Johann Wilhelm Pfalzgraf bey Rhein, des Heiligen Römischen Reichs Erz Schatzmeister, und Churfürst in Bayern, zu Gülich, Cleve und Berg Hertzog, Graf zu Beldentz, Sponheim, der Mark, Ravensberg und Mörs, Herr zu Ravenstein u. fügen hiemit zu wissen, Nach dem uns unsere Reformierte eingesessene Unterthanen zu Ober Barmen im Hertzogtumb Berg, unterthänigst zu vernehmen gegeben, was maßen Sie zu Vollführung deß ihnen ohnlängst verliehenen Exercitii Religionis publici eine neue Kirche zu erbauern und zu dem Ende, wegen Abgang der hierzu erforderlichen Mittelen eine auswertige Beysteuer zu suchen, mit gehorsambster Bitte, Wir gnädigst geruhen wollten, Ihnen hierzu ein offenes patent zu ertheilen, und mit unter recommendation an Hand zu stehen, daß wir solchem unterthänigsten Suchen und Bitten in Gnaden statt geben. Jedermänniglich standes Gebühr eine Christliche Beysteuer zu Beförderung obgemelten Kirchenbaus mittheilen wollen. Wir seynd ein solches gegen Männigliche Standtsgebühr nach zu erwiederen geneigt. Urkundt unserer Eigenhändiger Unterschrift und aufgedrücktem Geheimen Cammer Cantzley secret Düsseldorff den dretten marty 1707

Johann Wilhelm Churfürst

Vid.

A. Bischoff zu Spiga

 

Große Freude riefen diese von der katholischen Regierung erlangten Empfehlungsschreiben hervor und bestärkten das Vorhaben einer Kollektenreise nach England. In der Sitzung des Konsistoriums vom 3. April 1707 wurde darauf Pastor Gülcher ersucht, diese Kollektenreise anzutreten, “ob sichs durch Gottes gnädige Fürsehung zutrüge, daß man eine erkleckliche Beysteuer von der Königin oder sonst erhielte”. Pastor Gülcher war bereit. Nur wünschte er zur Besorgung der geschäftlichen Angelegenheiten einen Gefährten. Nachdem dieser in der Person des Herrn Johannes Wülffing jr., Sohn des Bürgermeisters Johannes Wülffing in Elberfeld, gefunden, konnte Pastor Gülcher in der Sitzung vom 1.Mai 1707 mitteilen, dass die Reise nun ausgeführt werden könne. Er erbat für Herrn Wülffing eine Vollmacht, damit dieser für die Kollektenrechnung responsabel, da Prediger sich nicht gerne dessen annehme. Alle Glieder des Konsistoriums versprachen dann dem Prediger, dass man zu seinem Salario der hundert Rthlr., worauf er anfänglich berufen worden, das zu Kollektierende gleich legen, und sonst seine gefährliche und verdrießliche Mühewaltung zu erkennen wissen wollte. Zum Schluss der Sitzung empfahl Pastor Gülcher sämtlichen Konsistorialen “bei seiner Abwesenheit die Wache und Sorge über die Gemeine, dass der Gottesdienst gebührender Maßen versehen und Alles nach der Ordnung in Stand gehalten werde”.

Während der Abwesenheit von Pastor Gülcher wurde der Gottesdienst hauptsächlich durch Kandidat Wortmann verrichtet. Für jede Predigt erhielt derselbe 40 Stüber. Nach dem Protokoll vom 3.März 1708 wurden ihm 14 Rthlr. zuerkannt.

Über die Reise haben wir sehr genaue Angaben in der Reiserechnung von Pastor Gülcher.

Zu Pferde verließen die beiden Reisenden am 25.mai das Wupperthal und ritten in 2 Tagen über Mühlheim an der Ruhr nach Wesel. Von dort erreichten sie über Rees und Eltenburg die holländische Grenze, wo die von Pastor Gülcher mitgenommenen 3 Rthlr. Reisegeld noch nicht ganz verzehrt waren; inzwischen hatte ein guter Freund ein Geschenk gemacht, und in Rotterdam gab Peter Wichelhaus 31 Gld. Reisegeld. Die Reise von Barmen bis Arnheim kostete für Pastor Gülcher Rthlr. 3 u. 56 Stüber. Am 29.Mai trafen die Reisenden in Briel ein, wo sie bis zum 2.Juni die Abfahrt des Schiffes abwarten mussten. Sie kauften dort für 6 Gld. 4 Stüber Essen und Trinken und für 8 Stüber Medizinein und segelten nun am 2.Juni von der holländischen Küste ab. Nach fünftägiger Überfahrt kamen sie am Montag den 6.Juni wohlbehalten in London an. Hier fand Gülcher in einem Presbyterianischen Prediger namens Samuel Palmer den erwünschten Ratgeber. Mit ihm besuchte er in den ersten Wochen die einflussreichsten Persönlichkeiten in London, “weshalb viele Fahrten in Kutschen nöthig wurden”. Am 22.Juli begab er sich dann nach Schloss Windsor, wo sich damals die Königin aufhielt. Nachdem er dort am Hofe seine Angelegenheit vorgetragen, besuchte er Oxford, um die Professoren der Universität auch für diese Sache zu gewinnen. Wie es scheint, wurden dort die Verhandlungen in lateinischer Sprache geführt, wie auch die spätere Correspondenz mit Palmer und den englischen Kirchenbehörden in Latein sind. Am 16.September wurde ihm in Windsor die erfreuliche Mitteilung, dass die Königin seine Bitte gewähren und befehlen werde, im ganzen Großbrittanischen Reiche eine große Kollekte zum Besten der neu gegründeten reformierten Gemeinde in Gemarke zu halten. Nachdem ihm noch die hochdeutsche Gemeinde in London ein Liebesgeschenk von 5 Pfd. Sterl. Gemacht, trat Gülcher am 17.Oktober die Rückreise an. Nach wiederum fünftägiger Seefahrt landete er, “durch Gottes Gnade bewahrt, gesund und glücklich” (wie er dabei bemerkt) am 22.Oktober in Helvoetsluis. Am 9.November traf er wieder in Gemarke ein und konnte nun seiner lieben Gemeinde mitteilen, wie der Herr Gnade zu seiner Reise gegeben, und wie zu erwarten stehe, dass der Gemeinde auch bald die Mittel zum äußeren Ausbau werden würden. Die Zusage der Königin fand bald ihre Ausführung, denn schon am 10.November 1707 erließ sie das Patent, dessen Original auf Pergament geschrieben und, mit dem großen englischen Staatssiegel versehen, im Archiv der reformierten Gemeinde zu Gemarke aufbewahrt wird. Dasselbe lautet in einer Übersetzung:

 

Anna von Gottes Gnaden, Königin von Groß = Brittanien, Frankreich und Irland, Beschützerin des Glaubens u. Allen und jeden Erzbischöfen, Bischöfen, Erz Dechanten, Thumherren, und ihren Bedienten, Pfandherren, Bicarys, Euratis, und allen anderen geistlichen Personen. Ferner allen Lehrern und Predigern der seperaten Versammlungen, wie auch allen Friedensrichtern, Bürgermeistern, Scheffen, Räthen, Constablern, Kirchenmeistern, Kapellen = Meistern, Aeltesten, Collectoribus der Armen, und ihren Aufsehern, und also allen Angestellten der Städte, Freiheiten und Dörfern, desgleichen allen unseren anderen Officianten, Obrigkeiten, und Unterthanen, wes Standes sie auch sein mögen, so wol in als außer Freiheit, denen dieses Gegenwärtige vorkommt, unseren Gruß zuvor.

Demnach uns Conrad Gülcher, Lehrer der Reformierten Gemeine in der Gegend Oberbarmen, Herzogthums Berg, im Deutschen Reiche, sowohl für sich, als anderen Protestanten daselbst, unterthänigst bittend vorgestellt, was maßen seine Durchlauchtige Hoheit, der Churfürst zur Pfalz am Rhein, seinen Protestantischen Unterthanen in der der Gegend Oberbarmen, Herzogthums Berg, Erlaubnis gegeben habe, daselbst, zum Exercitiv der Protestantischen Religion, eine Kirche aufzurichten, und zu erbauen, sie, obgemeldete Protestanten aber, wegen ihrer Dürftigkeit, nicht im Stande wären, ohne den liebreichen Beistand ihrer Brüder von der Protestantischen Religion, weder besagte Kirche zu bauen, noch einen Prediger zu unterhalten, und derohalben uns unterthänigst ersuchet haben, aus Gnade gegen sie ihnen unsere gnädigen Patent = Briefe, Freiheit und Protection, unter unserem Groß = Brittannischem Siegel zu verleihen, und sie dadurch zu authorisieren, in allen unseren unten benannten Grafschaften, Städten, Dörfern, Freiheiten, Flecken, Kirchspielen, und anderen Orten, von allen unseren werthen Unterthanen, eine liebreiche Beisteuer zu begehren und einzusammeln.

Und wir dann ihr unterthänigstes Begehren gnädigst zugestanden haben, nicht zweifelnd, daß, wenn diese unsere gnädige Zuneigung zur Beförderung eines solchen guten Werkes unseren werthen Unterthanen wird bekannt worden sein, sie dadurch werden bewogen werden, gottselig mitzutheilen, und ihr äu0erstes Vermögen anzuwenden, dasselbe zu einem erwünschten Ende zu bringen.

So thun wir hiermit kund, daß wir, aus besonderer Gnade und Gewogenheit, gegeben und zugestanden haben, und in Kraft unseres Patent Briefes unter unserem großen Siegel von Groß = Brittannien, an besagten Conrad Gülcher, Prediger der Protestantischen Religion in der Gegend Oberbarmen, Herzogthums Berg, wie auch anderen Protestanten daselbst, und ihre, nach der hierinnen hernach gemachten Verordnung, dazu authorisierte Deputatos, und Deputandos, Träger und Träger dieses, vollkommene macht, Freiheit und Authorität, geben, und zustehen, um in unseren respective Grafschaften Midlesex, Essex, Kent, Surrey, Suffolk, Norfolk, Somerset, Sussex, Nottingham, Leicester, Stafford, Northampton, Derbey, York, Chester, Witts, Lincoln, Gloucester, Worcester, Cambridge, Oxon, Lancaster, Berks, Bucks, Sarum, Winchester, Bath, Wells, und Exon; in unserer Freiheit Southwark; in unseren Dörfern von Cambridge und der Insel Ely; in unseren Dörfern von Southhampton und der Insel Wight; in unseren Dörfern von der Grafschaft Kingston und Hull; in unseren Dörfern von Colchester, Ipswitch, Notingham, Leicester, Stafford, Northampton, Derby, Lancaster,Manchester, Warrington, desgleichen in allen übrigen Dörfern, Freiheiten, Flecken, Seehäfen, Aemtern und Kirchspielen, wie auch anderen Oertern in bemeldeten Grafschaften, und nicht anderswo, von allen unseren werthen Unterthanen, nicht allein Hausherren und Frauen, sondern auch Beiwohnern, Dienstboten, und Fremlingen, eine liebreiche und geneigtwillige Beisteuer zu begehren, zu sammeln und einzunehmen, damit also sie, gemeldete Supplicanten, ihr gutes und so gottseliges Vorhaben, nicht allein anfangen, sondern auch vollenden mögen.

Weil wir auch das Vertrauen haben unseren Endzweck zu erreichen und durch unsere Aufmunterung unsere wohlgeartete Unterthanen dahin anzusetzen, daß sie, zur Erleichterung, und Beistand ihrer Brüder, bei dieser und anderen Gelegenheiten von gleicher Natur, auf eine Milde Art beitragen werden; so wollen, und begehren wir, daß, gemäß einer im vierten und fünften Jahr unserer Regierung gemachten, und also titulierten Parlaments = Acte: Acte zu besserer Einsammlung der durch unsere Patent = Briefe zugestandenen Liebesgaben und Vorbeugung der dabei vorgehenden Mißbräuche, alle Pfandherren, Kirchmeister, Kappellenmeister, Collectores auf diesen Brief und alle andere, die solches angehet, ein Jeder insbesondere, allerdings gemäß derselben handeln, und daß insbesondere alle, respective Pfandherren, Lehrer und Prediger, Kirch= und Kapellmeister, denen die gedruckten Copeien dieses Patent = Briefes werden gezeigt werden, diese allesamt, und ein Jeder insbesondere, unter der in gemeldeter Acte gedrohten Strafe, annehmen sollen. Auch sollen die respectiven Pfandherren, und Curaten ihre respective Versammlungen unter allerhand überzeugenden Beweggründen und Argumenten dahingehend ermahnen, daß sie, zum Beweis ihrer Liebe, zu den droben gemeldeten guten Ende und Vorhaben mildiglich beisteuren. Wir benennen, setzen und ordnen auch durch dieses Gegenwärtige zu Empfängern der etwan Kraft dieses Patents zu sammelnden Liebesgaben an, den hochehrwürdigen Vater in Gott, Thomas Lord Bischof zu Cantelberg, die recht Ehrwürdigen Väter in Gott Henrich Lord Bischof in London, Gilbert Lord Bischof in Sarum, William Lord Bischof zu Oxford, und John Lord Bischof zu Bristol; den Ehrwürdigen Dr. Josiah Woodward, und Dr. White Kennet, Herren Thomas Abney, Herren Gilbert Heathcott, Herren Theodor Janßen und Herren Bartholomäus Grace Dieu, Ritter; den Ehrwürdigen Dr. Samuel Palmer, Geistlichen, Josselin Roberts, Richard Chiswell und Johan Guy, Junkherren, Benjamin Smith, John Gunston, Wilhelm Teschemacher und Daniel Powle, vornehme Kaufleute. Und können die gemeldeten Supplicanten oder deren Agenten mit Genehmhaltung von fünf oder mehreren der Erwähnten Einnehmer, Collectores auf diesem Brief deputieren. Sie banannte Einnehmer aber sollen Sorge tragen, daß die collectierten Gaben zu Beginnen und Vollendung des angelegten Werkes wirklich angelegt werden.

Endlich ist unser Wille und Wohlgefallen, daß keine Person oder Personen, einige von den obberührten gedruckten Briefen oder auch darauf collectirte Gaben empfangen sollen, als allein diejenigen, welche darzu deputirt sind, Träger und Träger dieses Gegenwärtigen, oder der Duplicaten darüber zu sein.

Zur Urkund dessen haben wir diesen unseren Brief zu einem Patent gemacht, und soll derselbe ein ganzes Jahr, vom künftigen Christfest an zu rechnen, länger aber nicht gültig sein.

Gegeben von uns selbst in Westmninster, den 10.Novembris im sechsten Jahre unserer Regierung.

Gott bewahre die Königin!

 

 

Wir müssen erstaunen über die warme Befürwortung und die großartige Organisation, mit der die Kollekte für unsere Gemeinde im ganzen Englischen Reiche ins Werk gesetzt wurde. –

Diese Kollekten – Patent wurde durch Druck vervielfältigt, allen geistlichen und weltlichen Behörden Großbrittaniens zugesandt, und so alle Protestanten des englischen Reiches zu einer Beisteuer für die reformierte Gemeinde Gemarke aufgefordert.

In einzelnen Bezirken erließen die geistlichen Vorstände außerdem noch besondere Empfehlungsschreiben. Der Erzbischof von Canterbury empfahl die Kollekte durch folgende Befürwortung, wovon sich ein gedrucktes Exemplar im Kirchenarchiv zu Gemarke befindet:

Der Ehrwürdigen Clerisei in der Provinz Canterbury, betreffend die Ablesung eines Vorschreibens wegen Erbauung einer Kirche zum Gebrauch der Protestanten in der Gegend Oberbarmen, Herzogtums Berg.

Ehrwürdige Brüder!

Hierbei wendet Ihro Majestät Vorschreiben empfangen, um von wolgeneigten Personen zur Erbauung einer Reformierten Kirche in der Gegend Oberbarmen, Herzogtums Berg, einzusammeln, worzu das Privilegium, durch die Überhand habende Päpstliche Faction bisher geweigert worden. Gewiß ein Vorhaben, welches sonderbar zum Dienste Gottes, Heil der Menschen, und Ehre der reformierten Religion förderlich, und daher allen aufrichtigen Protestanten, insbesondere aber denen im geistlichen Stande, höchst geziemend ist, dasselbe nach äußerstem Vermögen zu begünstigen, und zu befördern

Und da es Gott gefallen hat, die Kirche von England, welche jederzeit für die Hauptstütze der Reformierten Religion gehalten worden ist, bis auf diese Zeiten zu erhalten; so ist es unsere Pflicht, daß wir, nach der Erwartung unserer Glaubens- oder Protestantischen Brüder, auf eine besondere Art und Weise, alle Gelegenheit zu ergreifen suchen, um unseren sonderbaren Eifer zur Beförderung des gemeinen Protestantischen Interesse zu zeigen, als welches so genau und unzertrennlich, mit dem unserigen vereinigt ist. Und wir können zu dieser Zeit keine öffentliche Probe davon geben, als durch eine mildthätige Liebe gegen diese unsere Brüder, welche zwar zahlreich genug, aber wegen ihres Unvermögens nicht im Stande sind, ohne unsere Beihülfe eine Kirche aufzurichten, und einen qualifizierten Diener Gottes zu unterhalten, der den Gottesdienst in derselben verrichte.

Es wird auch solches eine Ausdruck unserer Dankbarkeit gegen Gott sein für den ruhigen Genuß der unter uns etablirten wahren Religion, und für den Ueberfluß von Glückseligkeit, womit er uns bisher gesegnet hat, da inzwischen die benachbarten Länder unter Verwüstungen, und anderem Elend eines grausamen Krieges arbeiten. Ja, durch die gnädige Annahme Gottes, zu einem sehr kräftigen Mittel ferner zu unserer Erhaltung, und uns versichern von dem Fortgang und Anwachs des Friedens und der Vergnügung.

Es hat derohalben Ihro Majestät gefallen, zu vergönnen, daß zu solchem Vorhaben eine Collecte geschehen möge; und wir begehren ernstlich von Euch, sowohl um der Ehre unserer Kirche, als um des Mitleidens willen gegen euere dürftigen Brüder, daß ihr sowohl durch euer Exempel, als durch eure Ermahnungen, alles was an euch ist beitraget, daß dieselbe hinlänglich sei zu Erfüllung derjenigen Noth, wozu sie gewidmet ist. Wir empfehlen euch und eure Arbeit dem Segen des allmächtigen Gottes, und verbleiben

Euer lieber Bruder

Tho. Cantuar

 

Ehe aber die große Kollekte ins Werk gesetzt wurde, erbaten sich die Kollekten – Kommissarien von dem Moderamen der Synode Auskunft über die Gemarker Gemeinde. – Das in lateinischer Sprache abgefasste Schreiben lautet in deutscher Sprache:

Einem Hochehrwürdigen und Hochgeöehrten des Synodi der Reformierten Kirchen im Herzogthum Berg zeitigen Herrn Moderatori.

Wie auch den Hochehrwürdigen, Hochgelehrten und vielgeliebten Herren Moderatoribus, Aßeßoribus, und Scribis im Bergischen Synodo unter dem Gebiet Ihro Churfürstl. Durchlaucht zur Pfalz, wünschen wir alles Heil in Christo zuvor.

Sowohl das Verlangen guter Freunde, als die Sache selbst erfordern, daß wir ihnen, sehr wethe Herren Brüder, durch dieses Schreiben bekannt machen, welcher Gestalt die Mildthätigkeit der unserigen, unterstützt durch die offenen Patentbriefe unser allerdurchlauchtigsten Königin, soweit gegen sie, und ihre Mitbrüder angewachsen, daß von verschiedenen Orten Englands sechshundert Pfund nach unserer Art zu rechnen, zusammengebracht, und uns, nebst anderen zu dieser Sache Deputierten, würklich ausgezahlt worden sind. Wir haben sogleich Sorge getragen, daß diese baaren Gelder im gemeinen Schatz, den man insgemein Banco nennet, sicher niedergelegt worden sind. Bis so lange wir dieselben, nach Gemeinem Gutfinden, wieder da werden herausnehmen und übermachen können. Wir erwarten über das, so der Herr will, daß uns gegen Ende dieses jahres noch vierhundert Pfunde anders woher werden anvertraut werden. Wenigstens kann man solches hoffen, doch aber nicht für gewiß halten, Wobeo dienlich zu erinnern, daß sowohl, geliebte Herren Brüder, in ihrer Supplique, als in den Briefen unserer Königin, Sorge getragen worden ist, daß von diesem gottseligen Absehen unter uns collectierten Gelder ein Theil zu der zum Dienst der reformierten aufzubauenden kirche, der andere aber zum beständigen Unterhalt eines frommen und gelehrten, daselbst zum Dienst der Kirche bestellten Predigers, angewendet werden solle. Daher es denn die Billigkeit erfordert, daß wir eines und anders von ihnen, geliebte Herren Brüder, begehren, nemlich, daß sie, nach ihrer Fürsichtigkeit, eine Rechnung, oder einen gewissen Anschlag der Kosten, die zu einem solchen heiligen Gebäu nothwendig erfordert werden, und an Hand geben, und zugleich berichten, was für Hülfe und Beistand man von anderen reformierten Kirchen darzu beibringen, oder wenigstens erwarten könne. So erfordert auch die Bescheidenheit, auch vielleicht ebenfalls der Zustand ihrer Sachen, daß dieser Kirchenbau weder all zu köstlich noch all zu schlecht, und klein sei, damit über jenes die Feinde der Wahrheit nicht neidisch werden, noch über dieses ihren Spott treiben. Über das ist auch unser Verlangen, daß sie uns eine schriftliche, allgemeine, und mit ihrem Namen und Siegeln bekräftigte Bürgschaft überschicken, in Kraft welcher wir die zu diesem gottseligen Absehen anzuwendenden Gelder dem Ehrwürdigen Herr Gülcher übermachen, und versichert werden mögen, daß alles nach unserer Hoffnung treulichst angeleget werden solle. Dies einzige stehet noch anzumerken, ob diejenigen Gelder, welche zu Gottes Ehre, und zur beständigen Erquickung des Oberbärmischen Predigers, sollen assigniret werden, hier in England, oder in Deutschland, oder, wann sie solches lieber wollen, bei den Holländern am sichersten, und nützlichsten auszutheilen? Ihnen gebührt es, hierüber ihren Rat mitzutheilen, uns aber, nach der uns anvertrauten Aufsicht zu urtheilen. Der große Gott gebe, daß dieses alles zur Verherrlichung seines Namens, zur Ehre der Reformierten Religion, zum band des Evangelischen Friedens, und Anwachs der brüderlichen Liebe, vornehmlich aber zur Ehre Gottes gereichen möge. Dieses ist unser herzlicher Wunsch und stetes Seufzen,

Hochehrwürdige Herren.

Gegeben London in England, den 1.September 1707.

Ihre sehr geneigte und zu allen christlichen Diensten

Verbundene Brüder

Johan Kennet S.Th.D.

Josia Woodward S.Th.D.

Samuel Palmer V.D.M.

Petrus Smithe

Johan Gunston

Johan Powle

Johann Wilhelm Teschemacher

 

Nach Empfang dieses Schreibens wurde Pastor Gülcher in der Sitzung des Konsistoriums vom 6.Oktober beauftragt, die Herren Moderatoren der Synode zu bitten, auf der Gemarke zu erscheinen, um mit ihnen den Inhalt dieses Schreibens zu besprechen.

Darauf erschienen am 26.October 1708 die Moderatoren der Bergischen Synode auf der Gemarke, um sich in einer außerordentlichen Sitzung des Consistoriums über die in dem englischen Schreiben enthaltenen Punkte näher zu unterrichten. Sie sandten dann am 2.November folgendes, in lateinischer Sprache abgefasstes Antwortschreiben an die englischen Herren Commissarios. In deutscher Übersetzung lautet dasselbe:

 

Hochwohlehrwürdige, Hochgelehrte, Hochedle und Großachtbare Herren,

in Christo hochzuehrende Herren Brüder.

Eine sehr große Freude hat unsere Gemüther eingenommen, sobald wir aus dero werthen Schreiben ersehen, wie sehr dieselben, nach dem sehr gottseligen Befehl der Allerdurchlauchtigsten Königin von Groß Brittannien, mit einem höchstlöblichen Eifer für Gottes Ehre, und Fortpflanzung der Kirche Christi, sich bearbeitet haben, unserer neuangehenden Gemeinde in Oberbarmen mit einer so reichen Beisteuer zu Hülfe zu kommen, daß dieselbe schon bis zu sechshundert Pfunden angewachsen, und auch Hoffnung ist, daß wan Gott dero gottselige Arbeit ferner vom Himmel segnen wird, dieselbe sich noch ferner vermehren werde.

Wir sagen sowohl in unserem eigenen, als vornehmlich unserer Gemeinde im Oberbarmen Namen, zum höchsten Dank, vorerst dero Allerdurchlauchtigsten Königin, als einer von Gott zu diesen Zeiten bestellten vortrefflichen Pflegerin der Kirche Jesu Christi, für die besondere Liebe derselben gegen jetzt gemeldete Gemeinde, dann auch ihnen, hochgeneigte Brüder, für ihre Güte, und unermüdete Arbeit, die sich nicht allein zur Erbauung einer neuen Kirche in dem Oberbarmen, sondern auch vornehmlich zu der Unterhaltung eines gottselig gelehrten Predigers, haben anlegen wollen. Mangelt es uns an Vermögen, unsere schuldige Dankbarkeit für eine so große Wohlthat mit der That selbst zu erzeigen, so wollen wir doch wenigstens derselben stets gedenken, und bei aller Gelegenheit verkündiger ihrer Tugend, und mit allem Fleiß daran sein, daß die Oberbärmer der Mildthätigkeit ihrer Großmächtigen Königin, und ihrer Unterthanen, nie vergessen; sondern, zum Zeichen ihrer beständigen Dankbarkeit, stets für die hohe Wohlthat ihrer Allerdurchlauchtigsten Königin, wie auch aller ihrer Unterthanen, in ihren öffentlichen Gebeten Gott demüthigst anflehen, ferner auch fleißige Fürsorge tragen, daß die dieser Kirche zu erweisende Wohlthaten, nach dero gottseligem Absehen, wohl und aufrichtig angewendet werden.

Zu solchem Ende sind wir heute acht Tage zu den Oberbärmern gereiset, damit wir uns nach dem Zustand der Kirche in allen Stücken erkundigten, und mit ihren Vorstehern dasjenige beschließen möchten, was wir der neuen Gemeinde daselbst nöthig und heilsam zu sein finden würden.

Insbesondere aber hat es uns sehr erfreuet, da wir gesehen, wie in dasiger Gemeinde, unter der Aufsicht und Sorge des Herrn Gülcher, alle Dinge in geziemender Ordnung verrichtet werden, daher wir Hoffnung schöpfen, daß, wenn Gott ferner seinen Segen zu dessen Arbeit verleihet, wir einen großen Anwachs dieser gemeine, nicht nur allein an der zahl der Zuhörer, sondern auch im Glauben und Gottseligkeit sehen werden.

Die Anzahl der neuen Glieder der Gemeine dieses Ortes haben wir auf 100 Familien, und beinahe 100 Communicanten gefunden. Welche wir dennoch hoffen, daß sie, wie wir bisher gesehen haben, stets werden vermehret werden.

Aus den wohlhabensten Gemeinden dieser, und angrenzender Provinzen, bei welchen zu dieser Zeit nicht nur viele Pfälzische, sondern auch aus unsere eigene, und andere Kirchen, fast täglich Beistand in ihrer Dürftigkeit suchen, haben die Oberbärmer so viele Beihülfe gesammelt, daß sie daraus ihrem Prediger, und zum öffentlichen Gottesdienst eine geringe Behauseung, und für die Todten sich einen Kirchhof anschaffen können, und von solchem Gelde annoch 1167 Rthlr. übrig haben.

Die zum öffentlichen Gottesdienst zu erbauende Kirche müßte, nach der zunehmenden Anzahl der Gemeindemitglieder, ungefähr achtzig Fuß lang, und vier und fünfzig Fuß breit sein. Zu welchem Bau und was darzu nöthig, viertausend Rthlr. erfordert werden.

Das Gehalt des Predigers ist bisher daselbst dergestalt gewesen, daß er in dieser Gemeinde mit dem seinigen nicht honett leben kann, wo es nicht mehr als doppelt so viel größer wird, indem, bekannter Maßen, keine größere verhinderung im Predigt=Amt den getreuen Dienern der Kirche Christi in den Weg gelegt werden mag, als eine kümmerliche Sorge für den Unterhalt ihres Leibes. Wir hoffen aber, daß dero gottgefällige Liebe, welche sich insbesondere, wie wir aus dem empfangenen Schreiben gelesen, zum Unterhalt eines gottselig=gelehrten Predigers erstrecket, wie auch anderer von gottgesegneter Beistand, es dahin bringen werde, daß Herr Gülcher, und dessen Sucessores, inskünftige mit einem nöthigen jährlichen Unterhalt versehen werden.

Was aus den kollektierten Geldern zum Unterhalt des Predigers angewendet werden soll, und ferener nach dem Bau übrig sein wird, soll, nach dero heilsamen Rath, nicht in unserem Lande, unter dem Gebiet eines einer von uns fremden Religion zugethanen Fürsten, sondern in dem an Oberbarmen grenzenden Märkischen, unter dem Schutz Ihro Königl. Majestät von Preußen ausgethan werden [Bis zum Anfang des 19.Jh. wurden alle Gemeindekapitalien im Märkischen ausgeliehen], damit man die jährliche Rente, zum beständigen Unterhalt des predigers, desto gemäglicher bei der hand haben könne. Sollte aber ihnen, hochgeneigt Herren Brüder, ein anders für die Oberbärmer nützlicher zu sein dünken, so wollen wir Sorge tragen, daß sich demselben ganz williglich unterwerfen.

Was zur Verbesserung und Reparation der zu erbauenden Kirche, wie auch der habenden Schule, und Behauseung des Schulmeisters, und Küsters, erfordert wird, werden Oberbärmer, sowohl als das Gehalt des Schulmeisters, und Küsters, wie sie bisher nach ihrem wenigen Vermögen gethan haben, ferner, unter Gottes Beistand, beizuschaffen suchen.

Dieses, Hochwohlehrwürdige, und Hochgeehrteste Herren, ist es, was wir, dero Begehren zur Folge, über den Zustand unserer Oberbärmer Gemeinde, an dieselben zu berichten nöthig erachtet haben. Wobei Herr Gülcher eine mit ihrem gewöhnlichen Kirchensiegel bekräftigte Vollmacht füget, in Kraft welcher sie Freiheit bekommen, die bei ihnen liegenden, und den Oberbärmer gewidmetenGelder, zum Nutzen der Kirche, für dieselbe sicher zu übermachen.

Nun ist nichts mehr übrig, als ihnen, Hochgeneigte Herren brüder, aufrichtig zu versprechen, daß wir, so oft das Moderamen der Reformierten Kirchen dieses herzogthums uns aufliegen wird, dahin mit allem Fleiß bedacht sein wollen, daß in unserer Oberbarmer Gemeinde nichts gegen dero Gott gefällige Absicht geschehe; sondern vielmehr alles, nachdem es in gute ordnung gebracht, auch darinnen erhalten, und stets soviel als möglich verbessert werde. Wie wir denn auch verschaffen werden, daß die, welche uns im Moderamine succediren, in unserer Synodal = Versammlung öffentlich angeloben müssen, daß sie dergleichen thun wollen. Gleichwie denn auch die zeitigen Vorsteher unserer Oberbärmer Gemeine ihre, und ihrer Successoren Treue, und Sorge in ihrem Amt, für die Wohlfahrt der ihnen anvertraute Gemeine, mit Handschlag heiliglich zugesagt haben.

Schließlich bitten wir den großen und gütigen Gott aus dem tiefsten Grunde unserer Seelen, daß er die Allerdurchlauchtigste Königin von groß = Brittannien, zur Ehre seines göttlichen Namens, Vermehrung ihres Königlichen Ruhmes, und zum Besten aller Unterthanen ihers Königreiches, vornehmlich zum trost der Kirche Christi, welcher sie Gott nach seiner Güte zu einem sonderbaren Schutz verordnet hat, lange, gesund, und gottselig lasse leben. Ihnen aber, Hochehrwürdige und Hochgeehrteste Herren Brüder, vergelte die göttliche Güte den Segen, welche sie für die oberbärmer sammlen, an ihren Personen, Familien und Allen, die ihrer Aufsicht anvertraut sind, reichlich, Sie leben gesund und wohl, von uns allen begrüßet.

Womit wir bleiben

Hochwohlehrwürdige, Hochgelehrte, Hochedle, groß achtbare

Herren Brüder, und geneigte Gönner

Dero zu allen möglichen Diensten bereitwilligste brüder, zeitige Moderatores der Reformierten Kirche im Herzogthum Berg

Unter Ihro Churfürstlichen Durchlaucht von der Pfalz

Düsseldorf den 2.November 1708.

Hardingius ab Hamm V.D.M. Düsseldorpiensis

Et Synodi Montensis Praeßes

Jsaacus Knevels Pastor Solingensis, et Synodi

Montensis h.t. Aßeßor

Barnhardus Meyer, Pastor in Ecclesia Elberfeldensi

Et Synodi Montensis h.t. Scriba.

 

Nachdem die Oberbarmer Konsistorialen sich in allen Teilen mit diesem Schreiben einverstanden erklärt, wurde dasselbe nach England abgesandt, worauf denn nun dir Übersendung der gesammelten Gelder erfolgen konnte. Die vermittelung geschah durch Johann Wilhelm Teschemacher in London und dessen Schwager Johann Abr. Siebel in Elberfeld. Der reiche Ausfall dieser Kollekte begründete den äußeren festen Bestand der Gemeinde, da sie darin die Mittel nicht nur für den Kirchenbau, sondern auch für das Predigerghalt erhielt. Es ist deshalb sehr begreiflich, dass die Gemeinde sich sich zu besonderem Dank gegen die Königin Anna und die Kirchenvorstände Englands verpflichtet fühlte.

Es könnte für denjenigen, der nicht alle Verhältnisse betrachtet, fast erscheinen, als ob unsere Vorfahren sich nicht genügend angestrengt hätten und aus ihrer Mitte nicht genügende Summen aufgebracht hätten. Doch war das keineswegs der Fall. Sie haben eine außerordentliche Opferwilligkeit bewiesen, wie dieses auch in den Zeugnissen der Synode vollständig anerkannt wird. Seit 1655 hatten die Prozesse mit Schwelm, ferner mit den Oberbarmer Lutheranern über Armen- und Schulvermögen nicht aufgehört, und hatten große Summen verschlungen, ebenso die Kosten des begonnenen Kirchbaues in Langerfeld, der ganze Aufbau der neuen Schule, Die Besoldung der Rektoren für die Predigten, das Gehalt des Rektors Martius. Alles dieses war schon vor 1702 von den Oberbarmer Reformierten allein aufgebracht worden; dazu hatten die wohlhabenden Glieder der Gemeinde Peter Wichelhausen, Engel Beckmann und Kaspar Bredt alle ihre sehr bedeutenden Ausgaben für die Erlangung des freien Religions – Exercitiums geschenkt. Außerdem schenkten, wie erwähnt, Peter Wichelhausen und Frau 100 Rthlr. für des Rektors Gehalt, Anton Braus 25 Rthlr. für die Armen, Johann Bredt und Frau 50 Rthlr. für des Rektors Gehalt. Ferner die Junggesellen eine Bibel und Abendmahlstisch, die Konsistorialen das Konsistorial – Gestühl, Peter Evertsen einen vergoldeten Abendmahlskelch, Wennemar Wuppermann eine silberne Kanne...

Gegenüber der großen Englischen Kollekte waren die Erträge der übrigen Sammlungen zwar geringer, aber es offenbarte sich doch die Liebe aller Reformierten Gebiete für die Stärkung ihrer Glaubensgenossen in Oberbarmen. Die Freude darüber, dass die katholische Regierung endlich einem evangelischen Teil das Recht der Gemeindebildung gewährte, war allgemein. In der Umgegend fand die Kollekte, wie erwähnt, vielfach Befürwortung. Auch Unterbarmen steuerte bei. Am 7.April 1704 konnte gemeldet werden, dass Melchior vom Cleve und Albert Wuppermann im Unterbarmen 44 Rthlr. 30 Stb. Kollektieret. Von Frankfurt am Main kamen reiche Gaben, und von den Reformierten Schweitzer Kantonen liefen Bald durch Vermittlung des Joh. Wichelhausen in Zürich 118 Rthlr. ein. In Holland ergab die Kollekte auch die Willigkeit zur Unterstützung des Glaubensbekenntnisses. Ausser den Gaben der einzelnen Synoden finden sich schon 1704 von Groeveningen 84 Gulden 8 Stüber, von Leuwarden 189 Gulden..., vom 17.Mai bis Mitte Juli 1704 kollektierte Pastor Gülcher in verschiedenen Städten Hollands 1411 Gulden 11 Stüber, außerdem finden wir den Ertrag einer Kollekte mit 1311 gulden 13 ½ Stüber aufgeführt. Die ersten Beträge der Kollekten wurden von den Mitgliedern des Konsistoriums übernommen und zu dem damaligen Satz von 4 % verzinst. Einzelne Beträge wurden auch schon im Amte Hattingen untergebracht.

Genauere Daten der Reisen und Kollekten des Pastor Conrad Gülcher werden zur Zeit noch erforscht.