Johann Wilhelm von Gülcher:

Theodors Sohn Johann Wilhelm von Gülcher (1779-1858) wird durch königlichen Erlass am 24.11.1816 in den niederländischen Adel erhoben, und am 22.11.1835 durch Erlass des Königs Friedrich Wilhelm III von Preußen zum Freiherrn erhoben.

 

Allerunterthanigstes Gesuch des Gutsbesitzers

Johann Wilhelm von Gülcher in Düsseldorf

um huldreiche Wiedererneuerung des von seinen

Vorfahren geführten freiherrlichen Titels.

 

Allerdurchlauchtigster großmächtiger König!

Allergnädigster König und Herr!

 

Durch die Verfügung des Ministeriums des Hauses Eurer Königlichen Majestät, vom 24. Februar 1834 ist meine Aufnahme in das Verzeichnis des Rheinischen Adels genehmigt, und diese Eintragung, nachdem ich die Siegelabdrücke meines Familienwappens eingesandt, vollzogen worden.

Eine [...] Benachrichtigung des Ober- Präsidenten der Regierung Herrn von Pestl [?] vom 10.März 1834 spricht sich dahin aus, daß mir der Freiherrliche Titel zur Zeit noch nicht eingeräumt werden könne.

Meine Vorfahren haben indessen diesen Freiherrlichen Titel bereits vor mehr als hundert Jahren rechtmäßig geführt.

Sie bilden das altritterschaftliche Geschlecht der Freiherrn von Gülcher zu Nechtersheim und Eyleben bei Jülich.

Nach urkundlichen Nachrichten aus dem Königlichen Archive in Düsseldorf, wurde der Stammbaum von Franz Wilhelm von Gülcher zu Nechtersheim zuletzt am 15.Juli 1713 im ritterschaftlichen Kollegium des Herzogthums Jülich aufgeführt.

Es finden sich keine weiteren Nachrichten von seinen Nachkommen; sein Stamm scheint erloschen zu seyn, und die [...] Güter sind [...] bürgerlichen Besitz übergegangen.

Schon früher in debn Religionsunruhen des 17. Jahrhunderts, war indessen ein directer Abkömmling der Freiherrn von Gülcher zum protestantischen Glauben übergegangen, von welchem ich in direkter Linie abstamme.

Bei dem durchdie damaligen stürmischen Zeiten leicht erklärlichen Mangel eines Hausarchivs gibt diese hier vielfach bekannte Abstammung auch mein freiherrliches wappen, daß mit dem im Landesarchiv bezeichneten wesentlich übereinstimmt, zu erkennen.

Die göttliche Vorsehung hat meine Vorfahren und mich, obgleich jene das Erbe ihrer Ahnen, wegen der Religionsveränderungen verlassen mußten, gesegnet.

Ich bin im Besitz ansehnlicher Güter in den Niederlanden, und ich stehe im Begriff ein bedeutendes dort gemachtes Vermögen zu Güterankäufen in Rheinpreußen, wo ich mich bereits niedergelassen habe, zu verwenden.

An den Stufen des Thrones Eurer königlichen Majestät, wage ich es dennoch die ehrerbietige Bitte nun darzulegen, daß Allerhöchstdieselben in königlicher Huld und Gnade geruhen wollen, mir die Führung des freiherrlichen Titels für mich und meine Nachkommen als eine Wiedererneuerung dieses Prädikats, zu gestatten.

In höchster Ehrfurcht ehre ich als

Euer königlicher Majestät

Düsseldorf den 17.März 1835

Treuergebenster Unterthan

Johann Wilhelm von Gülcher

 

Er erwirbt die Ritterburg Boetzelaer und baut diese um.

Über fünf Jahrhunderte war die ehemals stattliche Ritterburg Boetzelaer Stammsitz einer der bedeutendsten Adelsfamilien am Niederrhein. Heute liegt an dem alten Rheinarm des “Boetzelaerer Meeres” in einem Waldstück in der Nähe des Ortes Appeldorn, die Ruine einer der bedeutendsten Adelsburgen des Mittelalters. In ihrer Glanzzeit im 13. Und 14. Jahrhundert war die Burg zu Boetzelaer ein nahezu uneinnehmbares Kastell mit zwei Vorburgen (eine Seltenheit unter den rheinischen Wasserburgen) und einem umfangreichen Wassergrabensystem, verstärkt durch einen siebengeschossigen Bergfried, dessen bloße Existenz die Burg als allodialen Sitz eines einflussreichen Geschlechtes charakterisierten, während seine Ausmaße als Setzung realer Macht verstanden wurden. Schon im 12. Jahrhundert war der Sitz des einflussreichen und selbstbewussten Geschlechtes derer von Boetzelaer gegründet worden und war von Anfang an “Sonnenlehen”, d.h. unbeschränkter Eigenbesitz. Durchaus vergleichbar mit der nahegelegenen Burg Moyland war Burg Boetzelaer doch über die typologischen Ähnlichkeiten hinaus unvergleichlich stärker befestigt und, ihrer freien Stellung entsprechend, in entscheidendem Maße in die historischen Umwälzungen der politischen Verhältnisse im 14. Jahrhundert verwickelt. Dazu war die Burg praktisch uneinnehmbar.

Die Familie , eines Stammes mit den von Galen, war von freiem Adel, so dass die Herren van den Boetzelaer dementsprechend auftraten und ganz nach eigenem Gutdünken Partei für verschiedene Fürsten nehmen konnten, ohne weiteres auch gegen den Benachbarten Grafen von Kleve, Holland, Hennegau und Brabant und übten Einfluss auf die Politik ihrer Zeit aus.

Wescelus oder Wessel I bewies denn auch seine Unabhängigkeit dadurch, dass er, obwohl klevischer Ritter, auch schon mal für den Erzbischof von Köln gegen den Grafen von Kleve Partei nahm (1258), kurz darauf (1269) wieder für den Grafen von Kleve als Zeuge auftrat. 1265 wurde erstmals Burg Boetzelaer in einer Urkunde des Wessels II erwähnt.

Sie waren Truchsesse des Grafen von Kleve, stellten Kanoniker in Werden und Utrecht, bezeugten mit Unterschrift und Siegel Urkunden der Grafen von Kleve, von Holland u.a. Sie heirateten innerhalb ihres Standes Frauen aus ritterlichen Familien, z.T. mit reichem Allodialbesitz, und häuften Ämter, Macht und Reichtum an, bis sie im 14. Jh. Immer wieder als Gläubiger und Bürgen vom Grafen von Kleve und anderen Grafenhäusern benötigt wurden.

1327 wurde Rutger II “dominus” in Boetzelaer genannt und räumte seinen Brüdern das Recht zum Bau je eines eigenen Hauses in der Vorburg ein, Hinweise auf die schon beträchtliche Größe der Burg.

Die herausragende Stellung der Herren van den Boetzelaer vor dem Hintergrund ihrer mächtigen Burg störte den Grafen von Kleve empfindlich beim Aufbau seiner unumschränkten Landesherrschaft, der er den ritterlichen Adel mitsamt seinen Burgen als Untertanen zu integrieren versuchte, was bei den meisten burgbesitzenden Adelsfamilien auch ohne großen Widerstand durchzusetzen war. Dass dennoch diese neuartige Machtkumulation in den Händen eines Fürsten und damit die die folgenden Jahrhunderte bestimmende Herrschaftsform am Niederrhein - anders als im übrigen Europa! - keine absolutistische werden konnte, verdankt sich dem Widerstand der Ritterschaft nach dem Vorbild solcher Familien wie der zu Boetzelaer, die ursprünglich dem Grafen von Kleve gegenüber keinerlei rechtliche Bindung hatten. Sie unterzeichneten 1359 den Landesfrieden zwischen Adel und Graf.

Rutger trug aber gleichzeitig sein “frei und eigen Gut” (Allod) zu Appeldorn dem Erzbischof zu Köln gegen entsprechende Zahlung zu Lehen auf und erhielt es als Mannlehen zurück - mitten im Gebiet des Grafen von Kleve ist das nur aus einem Selbstbewusstsein heraus zu verstehen, das sich auf eine juristisch unangreifbare Unabhängigkeit seines Besitztums und auf eine starke Burg stützte. Das findet seinen Ausdruch weiterhin in der Erhebeung in den Ritterstand 1361 und in dem Erwerb der Krudenburg 1363, die ihm der Graf von Kleve wegen geleisteter Dienste verkaufte.

Boetzelaer wird 1360 als “Burg”, Rutger ausdrücklich als “Burgherr” bezeichnet. Während der Auseinandersetzungen mit dem Klever Grafen demonstrierte Rutger erneut seine Unabhängigkeit, indem er vom Kölner Erzbischof die Stellung eines Amtmannes von Aspel annahm und ihm 1379 sein “frei eigen Erbe und Gut” Burg Boetzelaer zu Lehen auftrug.

Die Familie zu Boetzelaer war wesentlich beteiligt an der Konstituierung der Ritterschaft als Organ des mitregierenden Landtages, der die Rechte des Fürsten erfolgreich begrenzte. Da die Boetzelaerer jedoch noch immer weit mächtiger und einflussreicher waren als ihre Standesgenossen, blieben sie in den Augen des Klever Grafen eine Bedrohung und wurden von ihnen gewaltsam und unrechtmäßig unterworfen, was immerhin von 1379 bis 1396 dauerte und in anderen rheinischen Fürstentümern Parallelen hatte.

Während dieser Zeit war Boetzelaer schwer befestigt und sogar für Kanonen eingerichtet worden; die Auseinandersetzung wurde zum regelrechten Krieg. 1396 wurde die Burg belagert und eingenommen, der Herr von Boetzelaer verlor als letzter seine freie und hohe soziale Stellung und seinen allodialen Besitz.

Mit dieser über die Landesgrenzen hinaus beachteten Demütigung und Entmachtung – die die Familie dem Klever Grafen niemals verzieh – des mächtigsten klevischen Ritters und der Überwindung der stärksten Ritterburg war die Disziplinierung der Ritterschaft am Niederrhein abgeschlossen und spektakulär demonstriert worden. Das an der Burg Boetzelaer und ihrem Besitzer statuierte Exempel wandte sich warnend an alle anderen Ritter und wurde auf Dauer verstanden.

Seitdem waren die Herren van den Boetzelaer wie alle anderen Adeligen im Land klevische Landsleute und Untertanen, worüber auch die gnädige Verleihung des Erbschenkenamtes und großer Einkünfte nicht hinwegtäuschen konnte. Noch einmal, zwischen 1443 und 1460, war die Burg Mittelpunkt eines Zwistes der Ritter zu Boetzelaer und des Herzogs von Kleve, der sie danach endgültig auf den Status eines normalen, strategisch ungefährlichen Rittersitzes herabstufen konnte.

Die mittelalterliche Burg bewohnten sie weiterhin, nahmen aber offenbar keine wesentlichen Veränderungen vor.

1649 verlieh der Große Kurfürst dem Freiherrn Dirk von Boetzelaer die hohe und niedere Gerichtsbarkeit in Boetzelaer und Appeldorn.

Für die politische Entwicklung, ja für die Entstehung der rheinischen Fürstentümer im Spätmittelalter und ihrer in dieser Zeit konstituierten Verfassungen, für das die nächsten Jahrhunderte bestimmende rechtlich fixierte Verhältnis zwischen Adel und Landesherren, war die Burg Boetzelaer ein eminent wichtiges Beispiel und das bedeutendste im ehemaligen Herzogtum Kleve.

Burg Boetzelaer wurde zum friedlichen gartenumgebenen Landsitz, dessen mittelalterliche Bestandteile – wie landesweit üblich – als Ausweis ritterlicher Herkunft und uradeliger Abstammung sorgfältig tradiert wurde. Zeichnungen von Hermann Saftleven um 1650 zeigten eine riesige Burganlage mit zwei Vorburgen und einer kastellförmigen Hauptburg, überragt von einem siebengeschossigen Bergfried.

1677 starb mit Gijsbert van den Boetzelaer der letzte männliche Lehensinhaber der Familie in Boetzelaer; es erbte seine Schwester Anna Catharina, die seit 1675 mit dem Freiherrn Joh. Albert von Wylich zu Kervendonk verheiratet war. Sie vererbte die Burg und Besitz 1702 an ihre jüngste Tochter Maria Anna Isabella anlässlich deren Heirat mit Samuel Freiherr von Hertefeld, Oberjägermeister des Königs von Preußen. Im Besitz der Hertefelds blieb Boetzelaer bis Anfang des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde Burg Boetzelaer vor allem durch den Künstler J. de Beyer mehrfach dargestellt, 1734 und 1746.

Als nächster Eigentümer gelang Freiherr Johann Wilhelm von Gülcher durch den Erwerb von den Hertenfels in den Besitz von Burg Boetzelaer. Dieser nahm eine wesentliche Reduktion des mittelalterlichen Baubestandes vor. Vor allem der Bergfried und große Teile der Vorburg wurden geschleift. Es folgte der Umbau zum klassizistischen Schloss. Überbauung des Innenhofes, Beibehaltung von zwei Türmen ohne Helm.

Die Gebäude der dreiflügeligen Vorburg sind das Ergebnis der Gülcherschen Reduktion, die den für den Gutsbetrieb des 19. Jahrhunderts übergroßen mittelalterlichen Bestand auf ein viertel verkleinerte, unter Verwendung der historischen Außenwände, Brücken und Böschungsmauern. So entstand ein Wirtschaftshof nach den Bedürfnissen und Formen mittlerer Gutshöfe der Zeit.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Schloss schwer beschädigt. Es verfiel trotz Reparaturen der Kriegsschäden und Notbedachung zur Ruine. Der heutige Eigentümer von Haus Boetzelaer, Freiherr Maximilian von Went, setzte nach dem Kauf 1978 zunächst die Reste der Vorburg wieder instand und richtete die Kutscherwohnung zu erneut Wohnzwecken her. In Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden versucht er seit 1992 durch Bauforschung, Entschuttung, Sicherung und Sanierung der Ruine den Verfall der mittelalterlichen Bausubstanz zu stoppen.

Der Verein Burg Boetzelaer Kalkar – Appeldorn e.V. wird die frühmittelalterlichen und mittelalterlichen Denkmalschutzarbeiten präsentieren, im Erdgeschoß und ersten Obergeschoß. Einerseits mit Hilfe von Fundstücken z.B. der Burg Boetzelaer und einer Fotodokumentation der Baulichen Maßnahmen als Dauerpräsentation, andererseits mit Wechselausstellungen von bedeutenden anderen Denkmal – Projekten des Kreises Kleve. Der Verein Burg Boetzelaer Kalkar Appeldorn e.V. wird ein besonderes Programm für die wissenschaftliche Aus- und Fortbildung von Denkmalschützern und Archäologen anbieten. Eine Fülle von baugeschichtlichen Details gilt es unter fachlicher Anleitung, der Denkmalpflege und Archäologie zu Tage zu fördern, mit dem Ziel, die spannende, frühe Baugeschichte von Burg Boetzelaer zu erhellen. In Rückbesinnung auf historische, mittelalterliche Strukturen soll die Burg Boetzelaer den umliegenden historischen Vereinen und Verbänden als Versammlungsort dienen, z.B. einem der ältesten Schützenvereinen der Region, der auf Burg Boetzelaer im Jahre 1455 gegründet wurde.